August 2008.
Der Zerfall.
Reunion?
Wann?
Die Erinnerung hat sich mit der Phase des Wiedersehens vermischt. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann wir uns wiedergesehen haben. Ich weiß nur, das wir uns wiedergesehen haben. Warum? Du fragtest danach, ob wir über eine Person sprechen könnten. Ich dachte gut, dass er in seinem Leben weitergegangen ist, in diesem Jahr der Stille. Fragte mich innerlich, ob er es wirklich war. Wir telefonierten.
Alles schien so. Er war verändert. Die Anfänge waren unbefangen. Mein Versuch das Alte zurückzulassen, viel mir schwer, aber ich versuchte es. War nett, aber wie es sich herausstellen sollte, zu nett. Ich war zuvorkommend und warmherzig. Das war kein Verstellen, es war die Wahrheit, die ich ihm entgegen brachte. Darf man zu jemanden, der einen geliebt hat, nicht ehrlich sein?
Vielleicht nicht!
Leider sagten wir Sätze, auch ich, die mehrere Deutungen zu ließen. Warum? Der Freundschaft wegen. Rückfall in die alten Strukturen. So sollte es sich letztendlich wieder entwickeln. Wieder verfielen wir beide den Rollen, die ich glaubte, abgelegt zu haben. Doch das hatten wir nicht. Das wurde uns zum Verhängnis. Jetzt sitzen wir wieder an dem Punkt von 2003 und 2008. Die Liebe, die ich dir nie erwidern kann und werde, steht zwischen unserer Freundschaft.
Wir lebten in unserer eigenen Welt, ließen nichts an uns, nichts zu uns. Sie bestand nur aus uns beiden. Kino, zusammen essen, zusammen leben. Unsere kleine Enklave des Glücks - aus der ich ausbrach, weil ich bemerkte, dass sie uns beide aufhält. Mich, weil ich Rücksicht auf deine Gefühle nahm, dich, weil du Rücksicht auf deine und meine Gefühle nahmst. Wir waren an einem Stillstand, den wir nicht zu überwinden vermochten. Auch nach einem Jahr Stille.
Wir versuchten es beide. Wir sprachen etwas über uns. Ich hätte gern mehr über das Vorgefallene gesprochen, doch rücksichtnehmend verlor ich den Gedanken bei jedem Treffen mehr, und somit verdrängten wir im Prinzip beide unsere gemeinsame Vergangeneheit. Wollten bei Null anfangen. Taten es auch, weswegen du dich erneut so stark verliebtest.
Verdrängung ohne Aufarbeitung. Hört sich an wie eines unserer Geschichtsseminare, das wir sicherlich besucht hätten, wenn es angeboten worden wäre. Wir sind daran gescheitert. Haben wir uns auch etwas zu Schulden kommen lassen?
Vielleicht.
Wir wussten irgendwie insgeheim immer, was uns zusammenhält. Es war die (fast) gleiche Vergangenheit, in einer Studienwelt, die uns unsere Vergangenheit und Kindheit rauben wollte. Noch nie habe ich darüber nachgedacht. Aber ich wollte immer wissen, wie es gewesen wäre, wäre ich nur drei oder vier Jahre älter gewesen. Du warst es. Ich wollte durch dich diese Zeit gutmachen. Habe viel von dir gesehen, was du nicht sehen wolltest. Darüber sprachen wir. Öfters, aber immer weniger. Ich habe durch dich gelernt, froh zu sein, nicht älter gewesen zu sein. Vielleicht wäre ich auch zerbrochen.
Ende. Verdrängen. Vielleicht können wir beim nächsten Mal darüber reden.
Nun leben wir wieder allein in der Welt, die langsam versucht zu akzeptieren, dass sie nicht einfach die Wendekinder ihrer Kinheit berauben können. Schauen wir auf den Nationaltorwart Robert Enke. Er erinnert mich an dich und mich. Warum? Lies das Zeitmagazin vom 28.10.2010. Und das Zeitmagazin vom 4. 11. 2010, das du mir in einer Mail empfohlen hattest. Das zeigt unser Dilemma auf. Wir beide entstammen dieser Generation. Du mehr als ich. Wann können wir uns davon befreien? Oder vielleicht lernen, damit zu leben?
Wir müssen in verschiedenen Welten leben, um uns wieder von einander zu lösen. Zu sehr waren (sind) wir verbunden. Wir teilten alles. Lass uns leben und entfernen, um uns wieder näher zu kommen?
Veränderungen sind wichtig, schmerzvoll und lebensnotwendig. Ansonsten hättest du die Maria, die du Ende 2002 kennen gelernt hast, nicht kennen gelernt. Ich hatte schon viele Veränderungen erlebt und bin immer im Veränderungsprozess.
Die Freundschaft zu dir, war oder darf ich noch sagen, ist, das Wichtigste. Du hieltest mir vor, dass es keine Freundschaft sei. Und vielleicht war es seit einem Jahr auch keine Freundschaft mehr, sondern der Versuch von etwas Neuem, von dem wir beide nicht wussten, was geschehen würde. Egal, was es war oder nicht, es hat uns in die alten Bahnen verfallen lassen, denen wir ein zweites Mal erlegen sind. Wieder der Ausgangs- oder Endpunkt August 2008.
Anschuldigungen und Hass. Ein Betteln nach Freundschaft, das eher einem Betteln nach der verlorenen Liebe (zu mir oder der Vergangenheit) glich. Weiterer Hass und Anschuldigungen, auf die ich nicht wusste zu antworten. Den Nichtantworten folgten weitere Tiraden der Beschuldigungen. Verletztungen.
Tage später. Einsicht.
Der Funken, der dich die Mail hat schreiben lassen, in der du sagtest, dass wir eine zweite Auszeit bräuchten. Ich hoffenungsvoll antwortend, dass du diese Mail nicht falsch verstehst. Vergebens.
Die Einsicht ist zurückgekehrt und hat es dich erkennen lassen.
Nichts auf der Welt hätte mich mir meinen Freund nehmen lassen, außer du selbst.
Das hast du getan.
Ich werde dich gehen lassen.
Ich werde mich nicht umbringen, auch wenn viele Anrufe und SMS so geklungen haben. Solange mich ein Fuchs noch zum Lachen bringen kann, bin ich auf dieser Welt und möchte bleiben.