Cut.
„Stehen sie auf und begründen sie ihre Meinung! Warum wollen sie unbedingt mit allen Mitteln diesen Unterricht durchboxen?“
Statt mich zu rechtfertigen, bleibe ich sitzen. Bin versteinert und starre in den Raum, der kein Ende zu nehmen scheint. Schaue in alte, ergraute, verwickelte und faltige Gesichter. Alle sind ausdruckslos. Dann sehe ich auch mich dort sitzen, genauso faltig und nichts hat sich in den letzten zwanzig Jahren Schuldienst verändert. Ich unterrichte die gleichen Sachen, versuche neue Bahnen einzuschlagen, doch die anderen mit ihren alten Lehrmeinungen sind stärker als ich. Allein kann ich wie es scheint doch nichts erreichen. Eine Illusion weniger. Ich denke an all die Episoden der vergangenen Jahre. Kann mich nicht mehr aufraffen zu reagieren. (…)
„Es ist nicht wichtig, was sie unterrichtet, sondern wie!“, höre ich von weitem.
Eine Lehrerin hat sich erhoben. Groß, kräftig, lange braune Haare, zirka fünfundvierzig Jahre alt. Ich drehe mich zu der Richtung, aus der ich die Aussage wahrgenommen habe, und erkenne sie. Ja, das ist sie. Meine ehemalige Mathelehrerin. Was macht sie auf einmal hier? Ich kann es mir nicht erklären, zumal sie noch in dem gleichen Alter ist, als ich noch selbst in der Schule war. Sie war die einzige, die mich im Kampf unterstützt, auch damals war sie diejenige, die mir sehr viel geholfen hat. Ich bin von ihrer Energie so beeindruckt, dass sich die alten Gefühle aufbäumen, die, so dachte ich, ad acta gelegt zu haben.
Nach so vielen Jahren! Seit meiner Praktikumszeit bewunderte ich sie, vielleicht auch schon länger. Doch erst in dieser Zeit ist es mir deutlich geworden. Wir waren uns irgendwie schon immer sympathisch, aber ich habe mir dieses Denken verboten.
Heute steht sie nun wieder für mich auf und tritt für mich und meine Belange ein. Ich sehe sei and und sie schaut mir erwartungsvoll entgegen. Wie immer! Eigentlich verbunden, dennoch so fern. Nach der Versammlung, sitze ich immer noch regungslos auf dem Stuhl. Wieder machte sie den ersten Schritt und kommt auf mich zu und lächelte mich an.
„Was nun?“, fragte sie mich.
Ich konnte nicht darauf erwidern, weil es mich immer noch überrascht, sie hier zu sehen, als ob die Zeit an ihr vergessen hätte, vorüber zu gehen. Die Lichter gehen aus. Nun ist der Raum nicht nur groß, sondern auch noch stockduster. Sie fragt mich, ob wir nicht hinausgehen wollen, doch ich kann mich immer noch nicht bewegen. Gleichzeitig bemerke ich, dass sich eine Träne aus meinen Augen stiehlt, und ich bin froh, dass sie diese jetzt nicht sehen kann. Ich fühle ihre Hand an meiner und sie führt mich in den Hof. Dort erzähle ich ihr mein ganzes bisheriges Leben und wir umarmen uns.
Cut.
Ich sitze auf einem Bett mitten in einem Zimmer und schaue sie an. Sie mir gegenüber beginnt sich langsam auszuziehen und ich frage mich, woher sie weiß, dass das einer meiner innigsten Träume ist, jemanden beim ausziehen zuzusehen. Sie beginnt mit ihrem schwarzen, nadelstreifen Hemd. Knopf für Knopf. Nach dem zweiten Öffnen kann ich ihre Haut und den kleinen Bereich, der die Brüste andeutet, erkennen und ich gehe auf sie zu. Lege meine Hand sanft auf den entblößten Bereich, und schaue ihr zu, wie sie die nächsten Knöpfe nach und nach aufmacht. Mit jeder Öffnung rutscht meine Hand tiefer und ich genieße ihre Größe, und beginne sie leicht über ihre langen schwarzen Haare zu streichen. Es ist wunderbar. Wir gehen zusammen vom Stuhl zurück zur Mitte des Zimmers und ich bemerke, dass nichts Weiteres im Raum ist, außer dem Bett.
Cut.
Wo war ich eigentlich?