Tod I

August 17, 2008

In einem kleinen Dorf lebten die Großeltern von Marie. Marie wiederum wuchs in der Großstadt Berlin auf, und jedes Mal wenn die Ferien vor der Tür standen, wusste Marie wohin die Reise führen würde. Aufs Land zu den Großeltern. Dieses Ritual spielte sich jedes Jahr ab, bis sich die Eltern von Marie trennten und die Mutter das alleinige Erziehungsrecht vom Vater zugeteilt bekam. Maries Vater indessen flüchtete zu seinen Eltern aufs Land zurück und machte Geschäfte, die ihn in die Sozialhilfe führten. Je mehr sich der Vater Maries von seinen Kindern entfernte umso verhärteter wurden die Fronten des einstigen Ehepaares (…)

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Freundschaft

August 17, 2008

Normalerweise sind wir uns einiger Begrifflichkeiten sicher. Wir haben Wissen über das Universum, und wir sind uns der Konditionen der Gesellschaft, in der wir leben, bewusst. Wir wissen, was eine Familie ausmacht und wissen auch, was uns unsere Familie bedeutet und eigentlich sind wir uns auch sicher, was Freundschaft besagt. Zweifelst du manchmal an dieser Definition? (…)

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Das alte Paar

August 17, 2008

Eine Berliner Straße. Keine besondere. Einfach eine von den tausenden Berliner Straßen, die durch das Herz der Stadt führen. In dieser Straße geht ein altes Paar spazieren. Sie gehen auf dem Gehweg der einen Seite dieser zweispurigen Straße entlang. Es regnet. Man bemerkt, dass sie gern schneller gehen würden, es aber einfach gesagt, nicht können, nicht mehr können. Der Regen scheint schneller zu fallen, als das sie laufen können. Mit jedem Schritt, den sie gehen, fallen hundert Regentropfen auf ihre Schultern herab, die ihre Mäntel bis auf die inneren Nähte einweichen. Sie haben keinen Regenschirm. (…)

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Er ist 35 Jahre alt, aber …

August 17, 2008

… er sieht aus wie fünfzig. Schulterlanges, schwarzes, dreckiges Haar fällt in sein spitzes und zu dünnes Gesicht. Seine Augen sind umrandet von Falten, und auf seiner schmalen aber kleinen Nase trägt er eine alte Brille. Durch seine hell-braunen, längst ausgetragenen Catapillarschuhe hindurch, kann man seine Zehenspitzen erkennen. Er nimmt immer mehr gelblich-braunes Papier aus einem alten ForYou-Rucksack und verteilt sie neben sich auf den Sitzen als auch auf dem Boden der Straßenbahn. (…)

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Die Gerüche der Vergangenheit

August 17, 2008

An die Schönheit der Sonne denkend, gehst du den Gehweg entlang. Von der Macht, die ein einziger Sonnenstahl hervorbringen kann, überwältigt, atmest du den Geruch eines vorbeilaufenden Fußgängers ein. Bis zu diesem Zeitpunkt hast du noch nicht gewusst, wie tiefgehend und einnehmend solch ein Geruch sein kann.  (…)

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Wiederholung

August 17, 2008

Jeden Abend putzt sie sich die Zähne. Manchmal kann sie nicht genug davon bekommen. Sie putzt und putzt und putzt. Dabei denkt sie an den Tag, an die noch kommenden und schon vergangenen. Und immer wieder stellt sie sich die Frage, wie wird der nächste Schritt in ihrem Leben aussehen? Diesen Abend entschließt sie sich zum ersten Mal die Geschichten, die ihr oft beim Putzen einfallen, aufzuschreiben. An diesem Abend dauert das Putzen besonders lang. Während des Putzens, dreht sie unbewusst schon den Wasserhahn mit dem blauen Punkt auf, und das kalte Wasser fließt durch den Hahn in einem kräftigen Strahl den Abfluss hinab. Sie schaut sich das Geschehen an, und wundert sich über die Bewegungen des Wassers, die sich kreisförmig strudelnd vollziehen. Und sie putzt immer noch weiter. Die Zähne beginnen an einigen Stellen schon zu quietschen, so sauber sind sie schon. Langsam erhebt sie sich und schaut in den Spiegel. Sie sieht sich an, kann sich aber nicht richtig erkennen. Immer noch erscheint dieses zu schlanke Gesicht ihr fremd. (…)

 

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CUT

August 17, 2008

Cut.
„Stehen sie auf und begründen sie ihre Meinung! Warum wollen sie unbedingt mit allen Mitteln diesen Unterricht durchboxen?“
Statt mich zu rechtfertigen, bleibe ich sitzen. Bin versteinert und starre in den Raum, der kein Ende zu nehmen scheint. Schaue in alte, ergraute, verwickelte und faltige Gesichter. Alle sind ausdruckslos. Dann sehe ich auch mich dort sitzen, genauso faltig und nichts hat sich in den letzten zwanzig Jahren Schuldienst verändert. Ich unterrichte die gleichen Sachen, versuche neue Bahnen einzuschlagen, doch die anderen mit ihren alten Lehrmeinungen sind stärker als ich. Allein kann ich wie es scheint doch nichts erreichen. Eine Illusion weniger. Ich denke an all die Episoden der vergangenen Jahre. Kann mich nicht mehr aufraffen zu reagieren. (…)

 

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