Die Stille befällt einen, wenn man nicht daran glaubt, dass sie anwesend ist, aber sie ist da, jetzt und hier. Man kann sie nicht mehr loswerden. Sie wächst in einem wie das Kind im Mutterleib. Sie bleibt da, bis man sie hinaus gestoßen hat. Doch im Gegensatz zu dem Kind, welches nach rund neun Monaten den Ausgang findet, bleibt sie manchmal für länger. Wie lange noch? Immer? Man weiß es nicht. Ist es die Ratlosigkeit, die dieser Stille Nahrung gibt oder ist es die Zeit, in der man lebt. Darf man sich fragen, weswegen man lebt. Sollte man nicht mit dem, was man hat – dem Leben – zufrieden sein? (…)
Manchmal geht es nicht. Man weiß, dass man mehr möchte und begreift mit einem Mal, dass dieses mehr, hier und jetzt, nicht erreichbar sein wird. Soll man sich dann damit arrangieren, oder soll man weiter machen? Was kann man machen? Man will nicht hier sein, will ein anderes Leben, aber was ist, wenn das andere Leben auch nicht das ist, wonach man sucht? Was ist, wenn alles nur Schein ist, und man sich wirklich bloß der Langeweile entziehen will? Was ist, wenn die Geschichten sich wiederholen, ohne dass man etwas dagegen tut kann, auch wenn man es weiß, oder es vielleicht sogar bemerkt hat, dass sich die Dinge wiederholen, soll man dann immer noch weiter und weiter gehen? Was kann man machen? Die Stille kommt mit Gewissheit und man weiß nicht, wie man ihr entgegentreten soll.
Solange war sie da, doch noch nie so offensichtlich zutage getreten. Sie war schon immer da, ja, genau hier, aber leider muss man sie jetzt, genau in diesem Moment spüren und bewusst wahrnehmen und man kann nicht umhin, sich zu fragen, was sie soll, wozu sie da oder gut ist. Hilft sie einem bei einer Entscheidung, die das ganze Leben beeinflussen kann? Oder ist sie nur da, um dich von dem abzulenken, was dich sonst immer zerstreut. Aber eines ist sicher, sie ist da und man kann ihr nicht entfliehen.
Sie wird immer größer! Wird man in der Lage sein, ihr zu trotzen? Oder nicht? Was auch immer geschieht, sie ist immer da, und wird einen immer dann zu jenen Zeitpunkten immer sichtlich lebendig werden, an denen man sie am wenigsten braucht.
April 29, 2008 at 3:00 am |
as usual, you use your style to create such images and you leave all the complicated philosophy in the world in its cleanest simplicity. congratulations mal wieder !